Industrie- und Gewerbebauten gehören zu den selbstverständlichen Erscheinungen unserer gebauten Umwelt. Sie sind auf ihre jeweilige Funktion ausgerichtet und werden deshalb meist kaum als eigenständige Architektur wahrgenommen.
ANONYM - Anonymous Industrial Buildings - richtet den Blick auf diese alltäglichen Bauten. Die Gebäude werden weitgehend isoliert von ihrem städtischen oder landschaftlichen Kontext gezeigt. Ihre Fassaden geben dabei nur wenige Hinweise darauf, was sich hinter ihnen verbirgt. Was wird hier produziert, gelagert, gehandelt oder angeboten? Die Gebäude selbst geben darauf keine eindeutige Antwort.
So lenkt die Serie den Blick auf eine Architektur, die überall präsent ist und deren konkrete Funktion dennoch verborgen bleibt.
Work in Progress
ANONYM
Die Ästhetik des Zweckbaus
Industrie- und Gewerbebauten entstehen unter den Bedingungen von Funktion, Ökonomie und Effizienz. Ihre Gestaltung folgt weniger dem Anspruch auf architektonische Eigenständigkeit als den Anforderungen von Nutzung und Organisation. Dennoch entwickeln ihre Fassaden eine eigene visuelle Ordnung: Raster,
Öffnungen, Flächen, Materialien und Farben verbinden sich zu wiederkehrenden Strukturen.
Durch die Isolation vom unmittelbaren Umfeld werden die Gebäude aus ihrer alltäglichen Wahrnehmung herausgelöst. Hinweise auf Nutzung und Standort treten zurück; die äußere Erscheinung rückt in den Mittelpunkt.
Was hinter den Fassaden geschieht, bleibt dabei offen. Produktion, Lagerung, Handel oder Dienstleistung lassen sich aus der fotografischen Ansicht meist nicht eindeutig ablesen. Die Gebäude geben auf diese Frage keine eindeutige Antwort.
Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Individualität und Austauschbarkeit. Die Gebäude unterscheiden sich in ihrer konkreten Ausprägung, folgen jedoch häufig ähnlichen konstruktiven und gestalterischen Prinzipien. Erst in der Gegenüberstellung werden diese Gemeinsamkeiten sichtbar. Aus einzelnen Bauten entsteht eine typologische Ordnung, in der Wiederholung und Variation gleichermaßen eine Rolle spielen.
Die Serie untersucht damit nicht einzelne Orte, sondern eine Form von Architektur, die sich aus standardisierten Anforderungen entwickelt und dennoch eine eigenständige visuelle Erscheinung hervorbringt. Gerade die Anonymität der Gebäude macht ihre Funktion zur offenen Frage und verschiebt die Aufmerksamkeit von dem, was in ihnen geschieht, auf das, was von außen tatsächlich sichtbar ist.